31.08.07: Prolog und 1. Etappe Innsbruck-Pragser Wildsee
Prolog
Erster Tag der ersten Roda Tirol. 6.15. In Innsbruck ist es noch dunkel. Etappenstart ist erst um 9.00 geplant. Ich kann aber nicht mehr einschlafen. Egal. Ich entschließe mich kurzerhand gemütlich richtung Klinik und Uni zu spazieren und im Kopf das letzte Studienjahr etwas revue passieren zu lassen. Im Kopf hab ich noch die gigantischen Bilder von Alberts Urlaub auf Bali, die er mir gestern so toll gezeigt und erzählt hat. Kurz vor 7.00 hol ich mir beim Bäcker noch 3 Kornspitz und geh nach Hause, wo ich mir noch ein gemütliches Frühstück mit allem drum und dran gönne, bevor es endlich losgeht.
Um 8.30 schwinge ich mich auf meine "Eiserne Rosl" und ab gehts gen Süden. Treffpunkt war um 8.45 beim Rondell* auf der Brennerstraße, wo man nach Mutters oder Natters abbiegen kann.
Angesichts der Tatsache, dass wir uns lediglich 15 Minuten warm gefahren sind, ist die erste Aufgabe, das mörderische Vorhaben, den Prolog über 1 km vom Rondell zu den Schienen von Mutters in einem unmenschlichen Pulsbereich hinaufzudonnern, schon eine nicht zu vernachlässigende Strapaze für unsere Körper. Da ich in den letzten 2 Tagen "nur" schwimmen war, bin ich recht zuversichtlich, meine Speicher in den Beinen schön voll zu haben und entschließe mich diesen Prolog auf Teufel komm raus zu fahren und das trotz der Tatsache, dass es um diese Zeit noch knappe 11 Grad hat und ich mich vor Atemwegserkrankungen fürchte.
Gesagt getan mache ich mich als erstes auf den Weg. Eigentlich habe ich geplant, den Prolog zuerst etwas gemütlich angehen zu lassen, sprich Puls 175 (= anaerobe Schwelle), aber schon nach der ersten kleinen Kurve habe ich 185 und dann muss man sich entscheiden: entweder zurückstecken und sicher verlieren oder durchziehen und weiter beschleunigen. Ich entschließe mich natürlich für letzteres und kann auf den letzten 100 Metern, obwohl meine Kreislaufpumpe bereits mit 195 Schlägen pro Minuten arbeitet, eine tolle Endbeschleunigung machen. Zeit: 3 Minuten und 50 Sekunden. Rückblickend hätte ich eigentlich müssen noch einen Gang tiefer schalten, es wär jedenfalls möglich gewesen. Oben angekommen schnaufe ich wie ein Ross beim sch.... und muss über 2 Minuten warten, damit sich mein Kreislauf wieder erholen kann. Dann zieh ich mir noch schnell die Ärmlinge an und düse wieder zum Kreisverkehr runter, um nun den Mario auf seine harte Reise zu schicken.
Auf den Mario wartend kreise ich noch ein bisschen in der Gegend umher. Sobald er zurückkommt sagt er mir seine Zeit: 3 Minuten 40 Sekunden. :-( Naja, diese 4 Minuten härteste Arbeit hat sich nun mal gar nicht gelohnt denk ich mir, aber es sind ja nur 10 Punkte :-) Der Rest des Tages wird dann erst Klarheit schaffen....
1. Etappe: Innsbruck-Pragser Wildsee
Sofort nach dem Prolog rollen wir bei feuchtem und unbehablichem Wetter der Brennerstraße entlang, in der Hoffnung, dass die Sonne endlich zum Vorschein kommt. Die Beine fühlen sich verhältnismäßig gut an - es rollt. Die nächste Wertung ist der Brennerpass mit 6 Punkten, nicht besonders verlockend. Wegen dem kalten Wetter denke ich mir, dass wir den Brenner bestimmt gemütlich hochfahren und uns die 6 Punkte dann auf den letzten 200 Metern ausmachen, aber wie sich noch hInerausstellen soll, denkt der Mario da ganz anders...
In Gries am Brenner hält uns (zum Glück!) noch eine Ampel vor einer möglichen Attacke auf, ich glaube der Mario hätte bereits hier gerne attackiert. Kaum als wir an der ersten Steigung ankommen fängt der Mario schon an zu attackieren. Nach 100 Metern bereits Puls Tendenz richtung 190. Die Belastung steigt immer mehr an und wir kommen gemeinsam auf das erste Flachstück vor der letzten Rampe. Wir rollen mit 150 Puls locker entlang und plötzlich denk ich mir ich mach mal einen kurzen Sprint, um dem Mario seine Beine etwas "vorzuermüden". Er bleibt natürlich hinter mir und überholt mich wieder, aber auf der letzten Rampe hol ich das wirklich allerletzte Körnchen aus mir heraus und komme mit einem 210er Puls am Brennerpass-Ortsschild an (vergleiche mein höchster Puls bei allen bisherigen Leistungsdiagnostiken: 197).
Da die nächste Wertung erst in Terenten ist, rollen wir ganz locker gemeinsam nach Sterzing und in das Pustertal, begleitet von einem angenehmen Rückenwind - es rollt :-).
An der Kreuzung nach Terenten fängt der Ernst wieder an. Mario, wie immer, fängt sofort an der ersten Kurve aufs gräuslichste an volle Kanne zu attackieren. Da ich ihm diese 9 Punkte bestimmt nicht einfach so schenken will, folge ich ihm, ohne Rücksicht auf Verluste (Puls jetzt bereits 190). Dieses Spielchen dauert nun ca. 20 Minuten lang. Der Puls sinkt nie unter 190. Ca. 1,5 km vor der Bergwertung lässt der Mario endlich abreißen und ich atme auf - geschafft - denk ich mir. Ich fahr den letzten km noch mit "gemütlichen" 170 Herzschlägen und komme völlig erschöpft oben an.
Bis zur nächsten Wertung (Welsberg "Sprint"**) rollen wir wieder gemeinsam: Pfalzen-Bruneck-Aufhofen-Dietenheim-Percha.
Auf der kurzen Steigung vor dem "Oalinga Stausea" startet Mario wieder voll los (Mario kann es übrigens nicht aushalten locker eine auch noch so kleine Steigung hochzufahren kommt mir vor :-) sobald es hochgeht zieht er in meinen gehassten GA2-Bereich, ein Pulsbereich der weder langsam noch schnell ist, sondern einfach nur kaputtmachend) und ich entschließe mich, ihm nicht zu folgen, die Sprintwertung gehört ihm.
Mario fragt mich noch, ob ich ihm ein Powergel abtrete, aber ich hab nur noch eines und das brauch ich absolut selber, er hat ja eh schon mehr kcal in seinen Magen befördert als ich :-)
In Welsberg tanken wir noch unsere Bottles am Brunnen, um uns für die Bergzielankunft am Pragser Wildsee zu rüsten.
Sofort nach der Kreuzung nach Prags geht Mario klarerweise wieder volles Tempo, aber sobald es wieder flach wird, nimmt er wieder raus. An der letzten Steigung zum See wird das Rennen entschieden und es läuft praktisch wieder gleich ab, wie beim Terenten-Anstieg: Puls richtung 200, absolute Kotzgrenze. Ich bin diese Steigung zum Wildsee sicher bereits 20 mal hinaufgefahren, aber war mit 100%-iger Sicherheit noch nie so froh, endlich angekommen zu sein. Die 15 Punkte gehören mir :-)
Etappenergebnis: Prolog (10 P): der Mario Brennerpass (6 P): Christian Terenten (9 P): Christian Welsberg (3 P): der Mario Pragser Wildsee (15 P): Christian Zwischenstand: der Mario: 13 P Christian: 30 P01.09.07: 2. Etappe: Bruneck-Pedraces
Wie erwartet wache ich wieder viel zu früh auf, um 6.30 und kann nicht mehr einschlafen. Ich gehe sogleich in die Küche, um mir einen Kaffee zu machen und bin froh, dass der Mario auch bereits um 6.45 zum Frühstück kommt. Nach einer ordentlichen Schlemmerei gehts noch kurz ins Bad zum Zähneputzen und Waschen und anschließend gleich auf die Räder. Wir lassen es bis zum Olanger Stausee gemütlich rollen und wie ich mir bereits erwartet hatte, attackiert Mario wieder 3 km vor Welsberg. Die 3 Punkte lass ich ihm gerne :-).
Dann fahren wir gemeinsam weiter bis zum kurzen Anstieg (200 m) vor Toblach, wo dann die nächste Sprintwertung ausgemacht wird. Ich fahre den Sprint 300 m vor Toblach an, dann kommt Mario nach vorne, ich bring mich wieder dicht neben ihn und sprinte recht problemlos zur Kreuzung ins Höhlensteintal; 3 Punkte für mich. Bis zum Anstieg der nächsten Wertung (Misurina) beschließen wir einen Waffenstillstand und fahren gemütlich durch das eiskalte Höhlensteintal (6 Grad Celsius). Am Beginn der "Salita" kommt die Sonne zum Vorschein und es wird angenehm warm. Wir fahren in einem "humanen" Tempo gemeinsam nach oben, aber kurz vor der Ankunft werden wir schneller und Mario sichert sich die 9 Punkte. Nach ein Paar Fotos am Misurinasee gehts gleich weiter zum Passo Tre Croci, den schon wieder Mario für sich entscheidet. "Die Punkte hol ich mir am Falzarego, meinem Lieblingspass wieder zurück", denk ich mir. Von Cortina fahren wir Seite an Seite ähnlich wie vorher nach Misurina richtung Passhöhe und wie erwartet hole ich mir die 9 Punkte, die Beine waren genau zum richtigen Zeitpunkt echt flott.
Nächste Wertung ist am Camplongopass geplant, die heutige Bergankunft. Nach der Abfahrt vom Falzarego radln wir durch ein kleines Dorf, Livinallongo. Ich fahr hinter dem Mario locker her und zieh mir gemütlich die dicken Handschuhe und Ärmlinge aus. Genau an einem kurzen (100 m) ansteigenden Abschnitt an der Dorfkirche von Livinallongo geht Mario plötzlich ein etwas schnelleres Tempo. Aber es macht nicht einen Eindruck eines Ausreißversuches, er fährt nur eben 1 Gang schneller. Neben uns fahren etliche Autos vorbei und ich denk mir nichts dabei, zieh mich weiter aus und pack das Gewand in meine ungeschickte seitliche Tragetasche (mit dem Ding hab mir übrigens bereits am Falzarego etliche Kämpfe geliefert). Mario fährt nun ca. 50 Meter vor mir her. Ich fahre mit ca. 145 Pulsschlägen und der Abstand zum Mario wird leicht größer. Ich trete ebenfalls etwas fester in die Pedale (Puls 155), aber der Abstand bleibt gleich. Ich weiß im Moment nicht was ich denken soll... Für einen Ausreißversuch ist er irgendwie zu langsam unterwegs, aber eben nicht langsam genug, dass ich ihn ohne die Schwelle zu überschreiten einholen könnte. Irgendwie geht es mir jetzt schon auf die Socken, dass ich schon 10 km vor Beginn des Anstiegs zum Campolongopass über meine anaerobe Schwelle (174?..) gehen muss, aber taste mich immer mehr an die 180 Schläge pro Minute ran. Der Abstand bleibt gleich und jetzt ist mir das erste Mal richtig klar, dass er tatsächlich ausgerissen ist und volles Rohr tretet. Da ich bereits 10 Minuten mit Puls über 180 unterwegs bin, denk ich mir dass es echt blöd wäre, würde ich nun aufgeben und ihm den Sieg praktisch schenken. Ich gehe über Puls 190 und nach weiteren 5 Minuten seh ich endlich den Beginn des Anstiegs. Ich hol mir noch ein Energygel aus der Tasche, hab aber Probleme, in der Steigung das Ding zu öffnen und zu trinken, was ja auch nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass ich schon 20 Minuten fast an meiner Leistungsgrenze radle. Nach weiteren qualvollen 10 Minuten hole ich den Mario endlich ein und kläre ihn ein bisschen unhöflich (leider, muss ich im Nachhinein sagen) über den Blödsinn auf, den er in Livinallongo gemacht hat. Ich war wirklich verärgert und fühlte mich, als ob mich jemand attackiert hätte, während ich eine Pinkelpause eingelegt hatte. Wir fuhren nun gemeinsam hoch und es kam zu einem kleinen Disput, mit Puls 190 denkt man nicht 2 Mal nach, bevor die Worte den Mund verlassen, aber schon vor der Bergankunft haben wir uns wieder halbwegs vertragen und beide gemerkt, dass es ein blödes Missverständnis war. Er hatte mich nicht gesehen und konnte nicht wissen, dass ich gerade beim Umziehen war. Wir fahren gemeinsam über die Zielline und teilen uns die 15 Punkte.
Locker rollen wir noch durch Corvara, La Villa, Pedraces und hinauf nach St. Leonhard, wo wir ein Foto schießen und "Frieden" schließen ;-)
Alles in allem wieder eine hammerharte und schöne Etappe!
Etappenergebnis: Welsberg (3 P): der Mario Toblach (3 P): Christian Misurina (9 P): der Mario Passo Tre Croci (3 P): der Mario Falzarego (9 P): Christian Arabba (6 P): der Mario Campolongo (15 P): 7,5 P der Mario, 7,5 P Christian Zwischenstand: der Mario: 41,5 P Christian: 49,5 P02.09.07: 3. Etappe: Bergzeitfahren Passo Gardena
*** Ab dem heutigen Tag haben wir gemeinsam die Regeln etwas geändert. Für jede Wertung gibt es nun nicht mehr eine fixe Punktezahl, sondern es gibt für jede angefangenen 5 Sekunden 1 Punkt, wobei für jede Wertung eine maximale zu erreichende Punktezahl festgesetzt wird. Somit verhindern wir, dass solche Szenen wie am Vortag zustande kommen und wir machen uns nicht unnötig zu sehr kaputt. ***
6.00 morgens und ich kann schon wieder nicht einschlafen. Mein Puls ist zwar schon von sich aus viel zu hoch, aber ein Kaffee kann nicht schaden in so einem Moment (siehe Foto).
Wir frühstücken wie üblich recht früh und wärmen uns von halb 10 bis halb 11 auf. Um 10.30 startet der Mario in seinen Kampf und ich folge ihm um 10.40.
Ich fahre die ersten Minuten knapp unter der Schwelle (174), aber sobald ich die 180 erreicht habe, denke ich mir, dass es jetzt nur noch blöd wäre, zurückzustecken und will versuchen, den Puls bis ins Ziel zu halten. In Kolfuschg überhole ich zwei an sich schon schnell hinauffahrende Rennradler recht zackig. Sie grüßen mich, aber mehr als ein Winken haben sie von mir leider nicht bekommen :-), ich habe nämlich bereits nach 5 Minuten einen trockenen Rachen. Auf halbem Weg werfe ich mir ein Powergel rein und trinke so ein komisches Kakao-Milchgetränkt, die wir am Vortag gekauft haben. Der Puls tendiert immer mehr zur magischen 200-Grenze und ich mache mir langsam sorgen, ob ich das durchhalten kann. Es läuft aber außergewöhnlich gut, angesichts der Strapazen der letzten zwei Tage. Ich versuche jede Kehre richtig eng zu schneiden. Es bläßt ein kräftiger Wind und da nach jeder Kehre die Fahrtrichtung wechselt, habe ich entweder voll Gegenwind oder voll Rückenwind, was psychisch nicht besonders von Vorteil ist. Als ich endlich die Berghütte sehe bin ich unglaublich froh und der Mario wartet bereits auf mich. Auf den letzten 300 m gebe ich nochmal alles was ich habe, komme heute aber nicht mehr über 197 Puls hinaus. Zielzeit 31'11".
Etappenergebnis: Mario: 31'26" Christian: 31'11" (+ 3 Punkte, für jede angefangenen 5 Sekunden 1 Punkt) Zwischenstand: der Mario: 41,5 P Christian: 52,5 P
03.09.07: 4. Etappe: Pedraces-Axamer Lizum
Heute haben wir uns vorgenommen, sehr früh zu starten und stehen dementsprechend wieder früh auf um noch etwas zu essen. Um 8.10 sitzen wir bereits auf den Rädern und ich hab mich echt sehr warm angezogen, sogar dicke Wollsocken. In St. Martin in Thurn angekommen schwitze ich bereits viel zu stark und hab keine andere Wahl, als wieder alles auszuziehen und in meine ungeschickte Tasche zu packen. Fahr ich halt barfuß weiter :-).
Die erste richtige Rampe zur Burg von St. Martin ist mit ca. 15% hammerhart, aber angesichts des schönen Wetters und der verhältnismäßig frischen Beine find ich es einfach toll.
Wir fahren wieder Seite an Seite hinauf und machen die kurze Abfahrt nach Untermoi gemeinsam. Dann beginnt der zweite Anstieg und Mario beginnt sofort an, Tempo zu machen. Wegen meinen 11 Punkten Vorsprung halte ich mich einfach dicht an seinem Hinterrad und versuche, den "Schaden" minimal zu halten. Er kommt wenige Sekunden vor mir am Ju de Börz an und sichert sich einen mickrigen Punkt.
Die Abfahrt nach Brixen ist mit 30 km und 1400 hm gigantisch schön und ich genieße sie in vollen Zügen. Wir rollen gemeinsam durch Brixen und biegen ab richtung Sterzing. Den Zwischensprint in Franzensfeste hole ich mir mit knappen Vorsprung, was mir leider nur 1 von maximal 3 möglichen Punkten einbringt.
Bereits 10 km vor Sterzing beginnt Mario bereits seine Attacke zum Brennerpass, aber für mich war eh klar, dass ich ihm diese Wertung schenken werde, da es für mich heute einfach heißt: Schaden begrenzen und überhaupt gesund an der Hammer-Bergankunft ankommen. Den Brennerpass fahre ich mit sage und schreibe gemütlichen 130 Pulsschlägen hoch. Da ich Mario komplett aus dem Sichtfeld verloren habe und es nur sehr sehr langsam vorwärts geht, ist dieser Anstieg trotz der geringen Belastung die bisher größte mentale Herausvorderung dieser Etappenfahrt. An solchen Momenten kommen mir immer Gedanken über die Sinnhaftigkeit solcher Strapazen (der Sinn sollte mir aber 3 Stunden später wieder voll klar werden!).
Zu zweit rollen wir dann mit starkem Gegenwind nach Innsbruck und wechseln uns das erste mal in diesen 4 Tagen regelmäßig an der Spitze ab und machen ziemlich Tempo (Puls 155).
Kurz vor der Hauptstadt Tirols biegen wir nach Natters und radeln nach Axams, wo der finale Höllenritt beginnen wird. Bisher bin ich in meiner noch kurzen Radsportkarriere erst 3 Mal über 6 Stunden gefahren und bin dabei stets in eine kleine Krise geraten (sei es Hungerast oder einfach nur kaputte Beine). Ich mache mir deshalb sorgen, ob ich überhaupt das Ziel erreiche, denn der Anstieg ist mit 8 km und beinahe 10% durschnittlicher Steigung ein echt fetter Brocken. Ich gieße noch das letzte Gel in mich hinein, hab aber leider kein Wasser mehr in meiner Flasche, um das klebrige Zuckerzeugs hinunterzuspülen, was dem Körper noch mehr Wasser entzieht. Entgegen aller meiner Erwartungen fühlen sich meine Beine voll gut an und ich trete mit 175 Durchschnittspuls 35 Minuten hinter Mario her, denn das wichtigste ist für mich: Schaden begrenzen. Kurz vor der Ankunft fahre ich vor ihn her und schlage ihm vor, dass wir diese epische Etappe gemeinsam zu Ende bringe. Er akzeptiert und wir fahren überglücklich ins Ziel.
Der Himmel ist mittlerweile bedeckt und wir fahren zurück nach Innsbruck. Dies war die schönste Ausfahrt meines Lebens. Weniger wegen der Kulissen und Panoramen, denn diesbezüglich habe ich schon viel schönere Radtage erlebt, aber gerade nach 3 so anstrengenden Tagen eine solche Leistung zu bringen, an so einem tollen Tag, war für mich einfach nur überraschend. Und genau diese unerwarteten Sachen gefallen mir eben am besten.
Da es die gesamte kommende Woche regnet und fast winterliche Temperaturen herrschen, beschließen wir, das entscheidende Einzelzeitfahren und eventuelle weitere Etappen später im September zu Ende zu fahren.
Etappenergebnis: Würzjoch: Mario 1 Punkt Franzensfeste: Christian 1 Punkt Brenner: Mario 6 Punkte Axamer Lizum: Mario 7,5 Punkte, Christian 7,5 Punkte Zwischenstand: der Mario: 56 P Christian: 61 P
- * Rondell = Kreisverkehr
- ** Sprint (Mario-Jargon) = Ausreiß-Wertung